Uwe Alexi

Patient: Uwe Alexi
Erstdiagnose: Verdacht auf SCHREIBEN
Symptome: blühende Fantasie und zwanghaftes Geschichten erzählen,
schreibt vorzugsweise Thriller, liest Thriller
Aktenvermerk: PATIENT DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe SCHREIBEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Uwe Alexi und Lord Autoris schweigend gegenüber. Schließlich hält es der Patient nicht länger aus und ergreift das Wort:

Uwe Alexi - Schreiben

Uwe Alexi: Ich habe SCHREIBEN

Lord Autoris nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Auch nicht anders als zuvor. Ich bin bereits in einem Stadium der Krankheit, dass man sie mir ohnehin ansieht. Bis 2013 versuchte ich sie zu verbergen, unter den Teppich zu kehren und an allen möglichen und unmöglichen Orten zu verstecken. Doch es half alles nichts, man fand sie schließlich im letzten hinteren Winkel des Frischefachs meines Kühlschrankes, da war dann das Leugnen zwecklos. Inzwischen brach sie mit einer solchen Impertinenz aus, dass sie für alle und jeden sichtbar ist.

2. Wann und wie hast du dich mit SCHREIBEN infiziert?

Ende der 90er Jahre begab ich mich mit meiner damaligen Frau und unseren beiden Söhnen auf eine Urlaubsreise nach Kroatien. Ich saß an einem heißen Hochsommertag am Strand, dachte über mich und mein Leben nach, sah dabei auf das weite Meer hinaus und auf einen großen Felsen an der linken Seite des Strandes. Warum auch immer, wie ich diesen massiven Felsen anstarrte, manifestierte sich ein Gedanke in meinen Kopf: Uwe, du musst ein Buch schreiben … Dass es bis zum Jahre 2013 dauerte, dass ich mich ernsthaft mit dem Schreiben befasste, ist typisch für mein chaotisches Leben.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Ich werde motiviert, meine Krankheit zu hegen und zu pflegen, alle lieben sie!

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Oh ja, beides. Ich bin bei den Anonymen Schreibern in Frankfurt, wir treffen uns einmal pro Monat, sitzen im Kreis, fassen und bei den Händen und ommen, nachdem wir die „Ich bin Uwe und ich leide an Schreiben“-Vorstellungsrunde beendet haben. Ob es was bringt, ich weiß es nicht. Auch im Internet habe ich Selbsthilfegruppen gefunden, doch die Angst sich noch mehr anzustecken lässt mich vorsichtig agieren. Ich hyperventiliere bei dem Gedanken, ich könnte einem inneren Zwang folgen und Chicklit oder Fantasy schreiben.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Ich war dieses Jahr zum zweiten Mal auf der FBM, es war wie eine Sucht. Jeden einzelnen Tag von Mittwoch bis zum bitteren Ende am Sonntag, als mich das Endgegonge hinauskomplementiert hat, war ich gefesselt. Ich konnte nicht glauben, dass es dort tatsächlich das eine oder andere Buch zu finden gab. Du weißt schon, das sind die Dinger in denen man blättern und bei einer entsprechenden Begabung auch lesen kann. Im März plane ich, nach Leipzig zu fahren.

Lord Autoris unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in seine Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Oh, ja viele. Doch meine Oma hat mir immer gesagt, Wünsche muss man für sich behalten, sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Und was gäbe es Schöneres, als in einem Buch wiedergeboren zu werden, wenn man ohnehin Schreiben hat?

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Nur zwei? Oh, das ist hart. Darf ich erst eine Runde weinen gehen? So, nachdem ich mich gefangen habe, müssen wir schnell Harlan Coben und Lee Child retten, bitte beeilen wir uns!

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Ich spreche nie über mein Privatleben, aber sie wird sich garantiert freuen, auch über den Fensterplatz!

Aber das ist Zukunftsmusik. Lord Autoris verdeckt die Kristallkugel und blickt den Patienten ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

„Chaotografie – der Chaosschreiber auf Abwegen“. Besetzung hm, mal überlegen, ja, nehmen wir den kleinen Onkel aus Pipi Langstrumpf oder war das gar kein richtiger Schauspieler?

10. Die Welt weiß nun, dass du SCHREIBEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Ach, ich bin nicht so wichtig. Es reicht mir, wenn viele sich durch meine Geschichten unterhalten fühlen. Ich möchte keine Dinge erzählen, die euch langweilen oder schockieren könnten, also hülle ich mich in Schweigen. Lest bitte einfach meinen brandneuen Thriller „Opfer und Täter“, den ihr für den Kindle bekommt oder auf Wunsch signiert bei mir per PN als Taschenbuch. Da ich über einen Selbstverlag publiziere, könnt ihr auch euren lokalen Buchhändler nötigen, es für euch zu bestellen.

Lord Autoris bedankt sich für das Gespräch und bittet den Patienten zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als der Patient den Raum verlassen hat, schließt er die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

INFIZIERT – Heilung ausgeschlossen!

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Herzlich willkommen in der Klinik von Lord Autoris. Falls du SCHREIBEN hast, kannst du dich hier frei bewegen. Für alle anderen gilt: höchste Ansteckungsgefahr!

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