Sonja Rüther

Patientin: Sonja Rüther
Erstdiagnose: Verdacht auf SCHREIBEN
Symptome: blühende Fantasie und zwanghaftes Geschichten erzählen, schreibt Thriller und Horror, liest Fantasy
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe SCHREIBEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Sonja Rüther und Lord Autoris schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Sonja Rüther - Schreiben

Sonja Rüther: Ich habe SCHREIBEN

Lord Autoris nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Besser. Es muss an der Akzeptanz liegen. Dieser Drang war schon immer da und nun nehme ich ihn endlich an.

2. Wann und wie hast du dich mit SCHREIBEN infiziert?

Schon als Kind. Ich glaube, es ist die Folge von zu viel Fantasie. Irgendwann habe ich dann zum Stift gegriffen und angefangen, zu schreiben. Erst ganz kurze Texte, heimlich und fehlerhaft, aber dann wurden es immer mehr Sätze, bis hin zu … ich mag es gar nicht sagen, aber es muss wohl raus: Gedichten und Kurzgeschichten.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Sie hatten es lange geahnt, bevor ich es mir selbst eingestehen konnte. Meine Familie unterstützt mich wo sie nur kann. Wenn ich mal wieder einen akuten Schreibanfall habe, halten sie mir den Rücken frei. Wir alle müssen mit meinem Schreiben leben, und ich bin unsagbar dankbar, dass sie mir nicht sagen, ich müsse mich nur zusammenreißen, um wieder Groß- und Außenhandelskauffrau zu sein. Das Schreiben hat mich zwar berufsunfähig gemacht, aber seit ich es als einen Teil von mir annehme, vermisse ich den geregelten Job auch nicht mehr.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Ja, oh mein Gott, es sind so viele! Ich stehe in regelmäßigen Kontakt mit anderen Betroffenen. Das Schreiben ist mal mehr oder weniger ausgeprägt, aber einmal infiziert, wird man es nie wieder los. Zweimal im Jahr veranstalte ich Selbsthilfewochenenden, bei denen neue Mitglieder sich intensiv über das Schreiben austauschen können. Dafür kommen extra Aktivisten, die sich in der Öffentlichkeit für mehr Akzeptanz einsetzen. Und ich habe einen kleinen Verlag gegründet, um das Schreiben auch als etwas Positives zu verdeutlichen. Man muss die Kehrseite der Medaille sehen: Auch wenn das Schreiben eine Krankheit ist, kommt am Ende meist ein großartiger Roman bei raus.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Es sind meine Jahreshighlights. Unter so vielen Betroffenen fühlt man sich plötzlich ganz normal. Niemand schaut einen seltsam an, wenn man von Schreibprozessen, Plotten oder handwerklichen Fehlern spricht. Manche haben das Symptom „Abgabetermin“, was besonders viel Verständnis benötigt.

Lord Autoris unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in seine Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Bitte nicht in einem von mir! Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann dürfte es was Magisches mit Happy End sein. Ich könnte keinen Roman benennen, weil alles, was ich gerne lese, die Figuren durch die Hölle schickt.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Bernhard Stäber und Rebekka Pax, weil ich weiß, dass sich alle auf der Arche gerne zu ihnen gesellen werden, um ihnen zuzuhören. Wie auf der Messe.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Wenn es ein Künstler sein soll, Tom Petty, weil man auf dem Mars auch gute Musik braucht. Wenn es ein Autor sein soll, Markus Heitz, aber er muss mich am Fenster sitzen lassen.
Aber ohne meine Familie würde ich nicht gehen wollen, also würde ich mein Ticket wohl verschenken. Was bedeutet, dass Tom und Markus sich um die Platzwahl streiten müssten.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lord Autoris verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Chaos im Kopf – Winnona Ryder, weil ich glaube, dass sie die Rolle verstehen würde.

10. Die Welt weiß nun, dass du SCHREIBEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Gut, wenn wir schon dabei sind: Ich habe auch Zeichnen – am liebsten Zombies.
Nun ist es raus.

Lord Autoris bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als die Patientin den Raum verlassen hat, schließt er die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

INFIZIERT – Heilung ausgeschlossen!

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Herzlich willkommen in der Klinik von Lord Autoris. Falls du SCHREIBEN hast, kannst du dich hier frei bewegen. Für alle anderen gilt: höchste Ansteckungsgefahr!

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