Bernhard Stäber

Patient: Bernhard Stäber
Erstdiagnose: Verdacht auf SCHREIBEN
Symptome: blühende Fantasie und zwanghaftes Geschichten erzählen,
schreibt vorzugsweise Fantasy und Thriller, liest Fantasy, Thriller & historische Romane
Aktenvermerk: PATIENT DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe SCHREIBEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Bernhard Stäber und Lord Autoris schweigend gegenüber. Schließlich hält es der Patient nicht länger aus und ergreift das Wort:

Bernhard Stäber - Schreiben

Bernhard Stäber: Ich habe SCHREIBEN

Lord Autoris nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Fein. Es ist manchmal anstrengend und eine Achterbahn der Gefühle, aber ich mache genau das, was ich am besten kann und mein Leben lang machen wollte. Das ist all die Anstrengung wert.

2. Wann und wie hast du dich mit SCHREIBEN infiziert?

Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, in der ich nicht geschrieben hätte. Ich hab mir das Lesen und Schreiben aus Neugier selbst beigebracht, noch bevor ich in die Schule ging – ich wollte unbedingt wissen, was denn eigentlich in den Büchern und Zeitungen stand, in die sich meine Eltern immer vergruben. Meine ersten Geschichten habe ich als Kind in Schulhefte geschrieben, später dann, als Jugendlicher, haute ich in die Tasten einer alten Reiseschreibmaschine. Schriftsteller waren meine Helden. Wenn man mich als Kind gefragt hat, was ich mal werden wolle, dann habe ich gesagt: Ich will Lehrer werden und Bücher schreiben, so wie der Otfried Preußler. – Lehrer bin ich dann doch nicht geworden, sondern Sozialpädagoge, aber nah dran an meinem Kindheitswunsch war das immer noch. Über die Jahre hinweg nahm dann das Schreiben immer mehr Raum ein, bis ich mich mit meinem Umzug nach Norwegen dazu entschloss, ganz vom Schreiben zu leben.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Die Menschen in meinem Leben, die mir wichtig sind und denen ich wichtig bin, kommen mit meinen Schriftsteller-Macken klar, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Es ist nicht einfach, mit jemandem befreundet zu sein, der stoßweise introvertiert und dann auf einmal wieder völlig nach außen gerichtet ist, sich manchmal unvermittelt für Stunden zurückzieht, weil er endlich herausgefunden hat, was an dem momentanen Kapitel hakt und unbedingt sofort geändert werden muss, und der jeden Urlaub in eine Recherche-Reise verwandelt.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

O ja, ich halte über soziale Netzwerke regelmäßigen Kontakt zu anderen, die ebenfalls von diesem Virus befallen sind – schon alleine deswegen, weil ich im Ausland wohne, aber in Deutschland veröffentliche und Lesungen abhalte.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Ja, ich bin regelmäßig in Frankfurt und Leipzig – das sind die Orte, an denen ich meine mitinfizierten Lese – und Schreibverrückten, die ich zuhause in Norwegen nur auf meinem Notebook sehe, auch mal face to face treffen kann.

Lord Autoris unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in seine Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Wenn ich mir den Roman für meine Wiedergeburt aussuchen könnte, dann würde ich mir „Der Herr der Ringe“ wünschen, weil ich die Welt von Mittelerde, die Tolkien so anschaulich beschrieben hat, gerne einmal mit eigenen Augen sehen möchte – vor allem Eregion und Imladris.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Sonja Rüther und Zoe Beck, deren unbändige kreative Energie sich längst nicht nur aufs Schreiben beschränkt. Menschen wie diese beiden, die so viel auf die Beine stellen, sei es durch das Veröffentlichen von Büchern, die Arbeit als Verleger oder das Veranstalten von Schreibworkshops, sind meine Motivation, weiterzumachen, wenn der Weg zwischendurch mal steinig ist.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Doc Nachtstrom, den Herausgeber des Fantastik-Magazins „Visionarium“, denn der Flug zum Mars dauert bestimmt eine Weile, und ich kenne kaum jemanden, mit dem ich mich so lange und ausgiebig über jede Form von Literatur innerhalb und außerhalb des Mainstreams rotbäckig quasseln könnte wie mit dieser Bibliothek in Menschengestalt. Wer am Fenster sitzen darf? Das entscheiden wir dann täglich mit dem zwanzigseitigen Würfel.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lord Autoris verdeckt die Kristallkugel und blickt den Patienten ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Der müsste vermutlich „Die Pforten der Wahrnehmung“ lauten – der Titel wäre zwar von Huxley gestohlen, aber der selbst hat den Ausdruck ja aus einem Gedicht von William Blake geklaut. Als Idealbesetzung hätte ich gerne Christopher Eccleston mit der schwarzen Lederjacke, die er als Neunter Doctor in „Doctor Who“ trug.

10. Die Welt weiß nun, dass du SCHREIBEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Dass ich noch mit einem weiteren Virus infiziert bin, der mir fast so viel Spaß macht wie das Schreiben. Dieser Virus heißt VORLESEN, und äußert sich durch unterhaltsames Vortragen der eigenen Texte vor Publikum. Geschichten zu erzählen ist für mich die ursprünglichste Form von jeder Literatur.

Lord Autoris bedankt sich für das Gespräch und bittet den Patienten zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als der Patient den Raum verlassen hat, schließt er die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

INFIZIERT – Heilung ausgeschlossen!

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Herzlich willkommen in der Klinik von Lord Autoris. Falls du SCHREIBEN hast, kannst du dich hier frei bewegen. Für alle anderen gilt: höchste Ansteckungsgefahr!

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